Donnerstag, 21. Juli

Ich war drei Tage in Rostock und habe bei den Eltern eines Malers gewohnt, mit dem ich weitläufig bekannt bin. Wir reden uns einen Abend die Köpfe heiß, als ich von meinem digitalen Projekt erzähle.

Er meint, das sei alles Bullshit und würde nichts bringen. Eine echte Ausstellung sei nun einmal nicht zu ersetzen. Ja, Mann, das ist mir doch auch klar! Aber wenn - wie in Zeiten von Corona – überhaupt nichts geht? Soll man dann als Künstler einfach resignieren und aufgeben? Muss man nicht eher nach jedem möglichen Strohhalm greifen und auch die kleinste Chance nutzen, um weiterzumachen? Ich versuche, mich möglichst genau an meine letzte Vernissage zu erinnern und alle Details vor meinem inneren Auge Revue passieren zu lassen. Das war vor zweieinhalb Jahren und hatte (nach unzähligen solcher Events im Laufe der Zeit) zugegebenermaßen längst eine eingefahrene Programmroutine - wie mir leider erst jetzt klar wird: Begrüßungsrede, Gastlaudatio, Rundgang, Sektempfang, Smalltalk. Und sobald Presse, Promis und Publikum weg waren, gab es bis in die späte Nacht Gespräche mit Freunden und Wegbegleitern.

Hätte ich damals gewusst, dass es für seeeehr lange die vorläufig letzte Gelegenheit dieser Art war, hätte ich sie wohl viel intensiver genossen! Wie gern würde ich so etwas endlich wieder erleben und diesmal richtig auskosten und ausdehnen! Geht das denn überhaupt „in virtuell“? Wenigstens als leise Ahnung oder Andeutung von echten, leibhaftigen Begegnungen?